Atme ein, atme aus.

Atme ein, atme aus. Atme Tiefe, lass es raus. Bleib im Takt, letzter Akt. Wenige Schritte, schaff es bitte. Nur nicht aufgeben, gib jetzt alles. Du bist am Leben und du kannst es.  Jetzt nicht zu lässig. Gib dein Max und noch mehr. Gib jetzt alles von dir her. Konzentrier dich, power dich aus. Ruh in deinem „ich“, gib nicht auf. Dabei sein ist alles, aber gewinnen ist geil. Von Kopf bis Fuß konzentriert, gehst du steil.

Du feilst an deinem Stil, so grazil und so mobil. Du ackerst und wacker schlägst du dich, erträgst du dich. Dein Gewicht, deine Gedanken, deinen Kopf, deine Schranken. Erträgst dich und deine innere Ruhe. Du trägst dich und den Schweinehund wie deine Schuhe. Du bist angespannt und deine Muskeln auch, du atmest tief bis in den Bauch, atme ein, atme aus.

Atme Tiefe, lass es raus. Vergiss alles, jetzt zählt nur eins, du bist Sieger oder Verlierer, du bist Krieger oder Verlierer, Überflieger oder Verlierer. Du bist Optimierer, im Herzen Randalierer. Verlierer ist keine Wahl, so wie unendlich keine Zahl ist.

Atme ein, atme aus. Bleib im Takt, jetzt kompakt, hast dir Kondition draufgeschafft, ne Vision ausgedacht, Präzision angelacht, niemals Dopingverdacht, das wär unangebracht. Atme ein, atme aus. Atme Tiefe, lass es raus.

Und dann kommst du an, bist geschafft, müde wie n Zocker, fertig wie n Rocker. Und du weißt nicht mehr, wer du bist, wer du warst und was du isst.

Du schmeckst den Schweiß von deiner Stirn, das Salz brennt auf deinem Hirn und in deinen Augen, in deinen feinen, tiefen Augen und dein Kopf ist leer und vielleicht voller Nichts und dein Ankommen lange her, deine Beine und Arme schwer. Du weißt nicht mehr, warum du hier bist. Du vergisst, wer du bist. Du hast’s geschafft, aber du bist nicht Leistung, nicht Gewinner, nur ein Sportler, bisschen Spinner. Du bist extrem, extremst angespannt, anerkannt für dein Tun. Du musst tun, du musst sein, du musst dich beweisen, du musst.

Atme ein, atme aus. All die Zweifel, du springst raus. Atmest Fallwind, atmest aus. Du fällst und denkst: „Keiner fängt mich auf“. Du musst aus eigener Kraft fliegen. Du musst alleine alles besiegen. Schaffen. Machen. Und du hebst deine Flügel, bebst innerlich, schwingst deine eigenen Zügel, hoffst bitterlich, dass die Schwingen tragen, damit du an vielen Tagen leben darfst, geben darfst. Du musst tun, du musst sein, du musst funktionieren, du musst.

Nichts. Du musst nichts. Nichts tun. Nichts sein, nichts darstellen. Einfach ruhn. Atme ein, atme aus. Atme Tiefe, lass es raus. Lass es raus. Lass es raus. Denn du kannst locker, du kannst obenauf. Mach nen Punkt und stell dich drauf.

Atme ein, atme aus. Und du fällst. Fällst immer noch. Aber einer fängt dich auf. Indem er dir einen Fallschirm schenkt, der dein Gewicht, deine Träume sicher zu Boden lenkt. Der deine Fallhöhe Schritt für Schritt senkt. Wie eine Feder, die verspielt im Wind hängt, darfst du dich fallen lassen. Denn du kannst schweben, du kannst entspannen, du darfst leben.

Atme ein, atme aus, senk deinen Puls, lass es raus. Sag nichts, aber sag alles, was du willst, sag ein Gedicht oder mach es gechillt. All die Zweifel, die an dir nagen, all die Freude, die ganzen Fragen. Einfach mal den Kopf frei kriegen, lass die Gedanken einfach liegen. Ob high oder low, du bist im Flow. Und der Wind weiß alles und du hast einen Fan. Denn der da oben ist größer, er kennt er deinen Schrott, deinen Spott, deine Träume, deine Zweifel, der klettert mit dir auf Bäume oder sogar in der Eifel.

Er ist ein Fallschirm, wenn nichts mehr hebt. Er ist ein Fallschirm, der dich trägt. Atme ein, atme aus, nimm diesen Fallschirm, springe raus. Du fällst, du fällst und bist doch kein Zufall, du bist eine einzige Kür. Atme ein, atme aus. Atme Tiefe, schrei es raus: Ich atme.

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