Der Gott in der Schublade.

Ich mach meine Schublade auf, Gott steht drauf. Gott – dieses Wesen in der Ferne, dieser liebende Vater, der uns gerne hat, dieser dreieinige Vater, Sohn, Heiliger Geist, der einzeln ist und doch zusammengeschweißt. Dieser kriegerische Gott, der doch Sünden vergibt, der vor uns war und auch nach uns liebt. Dieser Jesus, der gestorben ist für dich und für mich, dieser Gott der deine und meine Sünden vergibt. Dieser Alpha und Omega, der war und der ist. Dieser Gott, der weit weg und trotzdem Mensch geworden ist.

Also mach ich meine Schublade auf, Gott steht drauf, und leer sie aus, denn er ist, wie er ist und wie er ist, ist er. Nicht schwarz oder weiß, sondern grau, manchmal weit und doch genau. Er ist gestorben für die Sünde dieser Generation und der vorigen schon. Für deine und für meine Fehler. Für seine und für ihre, er ist nicht wählerisch, er bringt alles auf den Tisch. Und da ist nicht eine Sünde schlechter, nicht eine Tat ungerechter. Du bist so gut wie dein Nächster,
auch wenn dein Nächster nicht der Beste ist. Bist du doch nicht besser dran. Hast nicht mehr zu geben, gib nicht an, mit deiner Scheinheiligkeit. Du kannst nur leben, nur das geben, was du nicht verdient hast. Vergebung steht auf der Litfasssäule. Große Lettern. Große Fassade. Christliche Klischees. Sonntags Kirche, keine Kippen, Alkohol und Fehler, oh nee, die hast du nicht, du könntest dein Gesicht verliern, dein frommes. Salz und Licht willst du sein, salziger
als Pommes, heller als die Sonne, komm jetzt. Du bist nicht besser und gerechter, du bist nur du, gerecht weil es einen gab, der in drei Tagen Ruhe alles getragen hat, auch deinen Stolz und deine Fassade. Das ist ehrliche Gnade.

Also mach ich meine Schublade auf, Gott steht drauf und leer sie aus. Denn er ist, wie er ist, er ist dir nicht näher als kirchenfernen Leuten. Er ist für alle da, er ist und war. Er existiert hier und dort, er ist nicht gebunden an einen Ort, eine Kirche, einen Saal im Industriegebiet oder an ein Abendmahl. Er lebt in dir. Wenn Gott existiert, und ich glaub, dass er das tut, dann ist er überall wie ein Duft in der Luft. Du kannst ihn nicht zu Menschen bringen, denn er ist schon dort. Er war schon längst da und bleibt, wenn du fort gehst. Verstehst du was ich meine? Gott ist allumfassend, er kann das All umfassen. Und er hält auch dich. Und Frauen. Und Lesben. Und Schwule. Und Männer. Und Penner. Und Leute mit offenen Wunden an den Beinen. Und die Uncoolen. Die Frustrierten. Die die weinen. Gott mag Menschen. Er liebt sogar Porno-Konsumenten. Und die davon verletzten, zwangsprostituierten Mädchen. Und Leute, die beim Singen sitzen bleiben. Und solche, die wie beim Konzert aufstehen, und ihn preisen.

Also mach ich meine Schublade auf, Gott steht drauf und leer sie aus. Denn er ist, wie er ist, er ist weise und verrückt, nach dir und deinen Talenten oder steht er doch auf Jesus-Gesänge und Wandbehänge mit Israel-Fahnen und Fischaufkleber auf Fahrbahnen. What would Jesus do? Gefällt mir? Oder: Mist, kein Dislike-Button. Es gibt wichtigeres Leute. Heute. Wir denken, Gott steht nur auf Heiliges. Wie heilig ist ein Baum oder ein Tier oder Sex oder das Meer. Und Gott schuf es. Ein Move. Echt jetzt. Wie heilig müssen deine Lieder sein? Wie heilig dein Style? Wie heilig ist dir Umwelt? Und was ist mit deinem Geld? Du bist reicher als die Mehrheit der Menschen. Dir geht’s besser als der Masse. Du lebst in der reichen Klasse. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ist das nicht auch abgeben, ohne dass du was zurückerhältst? Für dich ist Mittelmeer Massenurlaub und kein Massengrab. Heilig sollten uns die Menschenleben sein. Sind sie allein in ihrer Situation? Wir stehlen auch der nächsten Generation. Fleischüberkonsum. Meeresverschmutzung. Klimaverpestung. Plastikverpackung. Massentierhaltung. So viel Schrott, die Frage ist: Auf was steht Gott?

Also mach ich meine Schublade auf, Gott steht drauf und leer sie aus. Denn er ist wie er ist. Und ich kann ihn nicht ändern. Er ist der gleiche hier und in anderen Ländern. Er ist kein Stil, nicht mal Konfession. Aber er ist Vision für dich und mich. Für deine Schublade. Für meine Schublade. Er räumt auf. Denn er ist wie er ist.

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