War es Liebe?

„Woher weißt du, dass es Liebe war?“, fragt sie mich neugierig.

– „Wie man weiß, dass man geliebt hat, fragst du mich? Du hast geliebt, wenn das Auflösen einer Beziehung weh tut. Wenn du dich dennoch nur an die schönen Momente erinnerst. Wenn du dich trotz der Trennung mit ihm noch verbunden fühlst und ihn schätzt. Du ziehst deine Erinnerungen nicht in den Dreck, denn du spürst den Verlust des Besonderen. Den Verlust des Glücks, das du einmal in der Hand gehalten hast. In dir zerbricht der Traum von einer Zukunft, den du zwar schon lange nicht mehr träumst, aber mal geträumt hast. Die Hoffnung, dass es klappen könnte – sie zerreißt. Du hast das Gefühl, wenn du ihn verlierst, verlierst du auch einen Teil deines Herzens. Das ist Liebe“, endete ich traurig.

„Und wieso behältst du dann dein Herz nicht? Wieso hast du es weggegeben?“

– „Das hab ich freiwillig getan. Ich habe es verschenkt, weil mir dieser jemand auch sein Herz geschenkt hat.“

„Dann musst du ja nicht traurig sein, wenn ihr euch jetzt trennt. Denn das Stück von deinem Herzen, das dir fehlt – das hat dir der andere von sich zurückgeschenkt. Dein Herz ist also gar nicht kaputt.“

– „Es fühlt sich trotzdem so an, also würde das Stück, das er mir geschenkt hat, absterben.“

„Aber dein Herz schlägt doch. Ich kann es fühlen.“

– „Es schlägt, du hast Recht. Aber es schmerzt beim Schlagen. Es will nicht schlagen. Es will langsam sein und nichts tun.“

„Tut es weh? Ist es krank?“

– „Ja, ich glaube schon. Mein Herz tut weh. Ich will nicht reden, nichts tun, nicht nachdenken. Ich bin traurig und mein Herz weiß das.“

„Aber dann musst du zum Arzt gehen, wenn du krank bist.“

– „Kein Arzt kann mir helfen.“

„Aber wer hilft dir dann?“

– „Die Zeit, meine Liebe, die Zeit heilt alle Wunden.“

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